Datenschutz vs. Innovation – ein unternehmerisches Dilemma?

Personenbezogene Daten - ist der Begriff zu weit gefasst?

Seit der Steinzeit baut der Mensch Werkzeuge. Es ist eine der wesentlichen Fähigkeiten, die uns Menschen von anderen Spezies unterscheidet. Der Speer für die Jagd, die Kutsche, das Auto, das Flugzeug… Werkzeuge haben seit je her unsere Entwicklung geprägt. In der Geschichte der Menschheit gab es immer wieder entscheidende Innovationen – Werkzeuge, welche die Art und Weise wie wir denken und arbeiten vollständig veränderten. Denken wir zum Beispiel an die industrielle Revolution, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann und verstärkt im 19. Jahrhundert, zunächst in England, dann in ganz Westeuropa und den USA, unsere Agrargesellschaften in Industriegesellschaften verwandelte.

Und heute, im Zeitalter des Internets, erkennen wir, dass wir uns erneut in einer Zeit des Umbruchs befinden. Andrew McAfee und Erik Brynjolfsson sehen in ihrem Buch „The Second Machine Age“ (2014), diesen Umbruch jedoch um ein vielfaches weitreichender als den der „ersten“ industriellen Revolution – und das ist nachvollziehbar. Schließlich umfasst die derzeit stattfindende „Revolution“ nicht nur die Produktion (Stichwort: Industrie 4.0), sondern unser aller tägliches Leben. Suchmaschinen, Soziale Netze, Health-Apps – gehören zu unserem Alltag.

Die Werkzeuge, die heute in innovativen Hotspots wie Beispielsweise dem Silicon Valley geschaffen werden, stellen die Welt wie wir sie kennen auf den Kopf. Nicht umsonst fällt mit Blick hierauf häufig die Bezeichnung „Disruptive Technologien“.

Und wie in der ersten industriellen Revolution, schürt diese Entwicklung Ängste. Die aktuelle Diskussion um technologische Entwicklungen ist geprägt von Bedenken um den Datenschutz. Das Bundesdatenschutzgesetz regelt unmissverständlich die Priorität des Schutzes personenbezogener Daten. Auf europäischer Ebene entsteht derzeit die „Datenschutz-Grundverordnung“, welche 2018 als Konkretisierung der EG-Datenschutzrichtlinie wirken wird. Der Grundtenor des Gesetzgebers ist klar: Personenbezogene Daten sind zu schützen – Punkt.

Aber um welchen Preis? Verspielen wir uns so nicht unsere Wettbewerbsfähigkeit? Beispielsweise indem unserer Wirtschaft der Zugriff auf innovative Werkzeuge, welche zeitgemäß als Cloud-basierende Lösungen angeboten werden, verwehrt bleibt? Müssen Unternehmen, die ausschließlich im Business-to-Business Umfeld tätig sind, wirklich mit Facebook-Usern gleichgestellt sein? Denn derzeit ist der Begriff „Personenbezogene Daten“ doch etwas weit gefasst. Die damit verbundene Problematik lässt sich am besten in einem konkreten Beispiel fassen:

Ein mittelständisches Unternehmen mit sagen wir 600 Mitarbeitern, möchte eine fortschrittliche Customer Relationship Management (CRM) Software einführen. Hierin würde sie ihre Kundendatenbank und jegliche Kommunikation mit eben diesen Kunden pflegen. Die Kunden sind allesamt Geschäftskunden – also keine Privatpersonen. Die personenbezogenen Daten in dieser Datenbank wären also :

Datensatz

Und eben wegen diesen Daten ist unser Beispielunternehmen gezwungen, seine Datenbank in Europa zu betreiben. Cloud-Lösungen aus den USA kommen nicht in Frage.

Die Befürworter der derzeitigen Datenschutzregelungen sehen hierin kein Problem. Im Gegenteil: Schließlich würden durch die europäischen Datenschutzregelungen ein geschlossener Markt entstehen, Anbieter aus Beispielsweise den USA dürften, wenn sie personenbezogene Daten nicht ausschließlich in Europa speichern, nicht teilnehmen. Dies sei – so argumentieren die Datenschützer – eine große Chance für europäische Cloud-Anbieter.

Was sie jedoch verschweigen ist, dass insbesondere mittelständische Unternehmen nun keinen Zugang zu hocheffizienten Werkzeugen, in Form von Cloud-Angeboten aus dem Silicon Valley, haben. Neben der Option dem Trend der Digitalisierung nicht zu folgen, bleibt lediglich die Hoffnung, dass entweder europäische Softwarehäuser rasch adäquate Lösungen anbieten oder US-Amerikanische Anbieter in naher Zukunft Rechenzentren auf europäischem Boden errichten.